Val da Pila - Träume dauern manchmal länger

„Gut Ding will Weile haben“ – manchmal über 20 Jahre. Als ich im Herbst 1990 zu ersten Mal mit dem Bernina Express gefahren bin, ist mir ein Streckenabschnitt besonders im Gedächtnis geblieben. Eine sehr enge Talkehrung mit einer kleinen Brücke und einer daran anschließenden halboffenen Galerie – das Val da Pila, zwischen Cavaglia und Alp Grüm gelegen. Das müsste man als Modell bauen.
Von Modellbau hatte ich aber damals keine Ahnung und keinerlei Erfahrung. Nach dem Bau verschiedener Dioramen (Landwasser, Brusio, Zalaint, Val Verda und schließlich Steffenbach) fasste ich im April 2012 den Entschluss – jetzt sollte es sein, eine Schauanlage mit dem Val Pila Viadukt und der original 90 m langen Galerie wurde geplant. Neben einer weitgehend maßstäblichen Darstellung des Kernbereiches sollte diesmal auch ein reger Zugbetrieb möglich sein. Und schließlich sollte der Eindruck der hufeisenförmig in das enge Tal eingezwängten Strecke mit 7 % Steigung, eingebettet in einer hochalpinen Landschaft, im Modell erhalten bleiben.
Zum besseren Handling bei Ausstellungen und aus Gründen eines stabilen Zugbetriebes wurde die gesamte Anlage einteilig ausgeführt.

Die Eckdaten: 3,04 x 1,62 m, 1,05 m hoch, 4-gleisiger Schattenbahnhof, 2 Wendeln (eine fünffach, eine zweifach – jeweils doppelgleisig) zur Überwindung des Höhenunterschiedes vom fast 60 cm. Die Länge der sichtbaren Strecke misst lediglich 6,60 m bei einer durchgehenden Steigung von 7% wie im Original. Im verdeckten Bereich wurden 43 m (!) Bemo-Flexgleis verlegt.
Eine Brücke gibt es als Fertigmodell von „steinbogenviadukte.de“ in sehr guter Modellausführung, diese kam dann auch zur Anwendung. Die größte Herausforderung aber war die im Original sehr filigrane Lawinengalerie. Aus dünnen Messingprofilen wurde das Tragwerk gelötet und mit gealterten Holzbrettchen gefüllt. Das Dach besteht aus Trapezblechen, die im Radius gelegt wurden. Mit einer speziell angefertigten Form wurden die Dachteile aus 0,1 mm Messingblech radiär vorgeschnitten und dann jede Falz einzeln profiliert. Eine Zeit raubende Tätigkeit.
Die Felsen der Anlage entstanden in Gusstechnik mittels der hinlänglich bekannten Woodland-Formen, die Landschaft aus Alu-Fliegengitter, Gipsbinden und insgesamt 25 kg Modellgips. Zur Begrünung und für die Steine kamen Turf in verschiedenen Körnungen und Talus von Woodland zum Einsatz, als Wasser wurden Water-Drops und Wassereffekte von Noch verwendet. Die Bäume stammen aus dem Heki-Sortiment. Für die Oberleitung wurden Sommerfeld-Masten modifiziert, die Leitung selbst besteht aus 0,5 mm Draht.

Im Betrieb können insgesamt 10 Garnituren eingesetzt werden, die mit Selectrix und dem Rautenhaus-System digital gefahren werden. Die Steuerung übernimmt die Maile Computersoftware, die freundlicherweise vom Bemo-Steuerungsspezialisten Harald Ehret programmiert wurde.
Alle Fahrzeuge stammen von der Firma Bemo, die originale Steigung von 7% wird von den Triebwagen problemlos gemeistert.
Nach einer Bauzeit von nur 5 Monaten konnte das Schaustück auf der diesjährigen Faszination Modellbau in Friedrichshafen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für Interessierte ist es bei Adler-Schmalspurbahnen in Langenargen-Oberdorf zu besichtigen.

Neuhaus am Rennweg im November 2012
Dr. med. Klaus Müller