RhB - eine „Liebesgeschichte“ in 1:1 und 1:87

Es war 1986 als meine Frau und ich für 3 Wochen im Juni in Davos Ferien machten. Juni - ein unglücklicher Zeitpunkt. Es regnete, es schneite, mal schien kurz – aber wirklich nur kurz, die Sonne. Nur ein Restaurant hatte geöffnet. Es war wirklich nicht schön.

Sollten wir 3 Wochen bei diesem miserablen Wetter in unserer bescheidenen Behausung verbringen? Nein!
Denn da fuhren braune, rote und grüne Loks der Rhätischen Bahn. Es fuhren reine Personenzüge, Personenzüge mit Güterwagen am Ende, reine Güterzüge, und es fuhren täglich die „Krokodile“ bespannt mit Güterzügen und dazu ein Personenwagen.

Kurzum – wir machten aus der Not eine Tugend, gingen zum Bahnhof Davos Dorf, kauften Tickets für mehrere Tage und fuhren mit der Rhätischen Bahn – vorwiegend mit den Krokodilzügen. Die hielten an jedem Bahnhof – richtig gemütlich. Und wir hatten Zeit, viel Zeit.

Wir erkundeten jede Strecke – aber wirklich jede. Egal ob über die Albulalinie – Berninalinie – Arosa – das Rheintal – das Prättigau – die Linie nach Scuol. Wir haben jeden Bahnkilometer genossen, den es damals bei der RhB zu befahren gab. Nein – stimmt nicht. Im Misox waren wir nicht.

Auch eine 2 -Tagesreise mit dem Glacier-Express nach Zermatt mit Abstecher zum Gornergrat war dabei.
Diese 3 Wochen waren die entscheidenden Wochen, was mein Modellbahnerleben angeht. Der RhB-Virus hatte zugeschlagen.

Wieder zu Hause, packte ich alles was N-Bahn war zusammen, ging zu Manfred Berlinski in Dortmund und verkaufte alles. Ich erhielt einen fairen Preis und habe den gesamten Betrag und eine kleine Zuzahlung in die ersten HOm Schienen, einen Krokodilzug sowie ein paar Personenwagen wie auch Güterwagen der RhB investiert. Die Räumlichkeiten fehlten mir zu diesem Zeitpunkt. In den Jahren 1987 bis 1991 kamen Loks, Waggons und jede Menge Literatur zum Thema Rhätische Bahn hinzu.

Im Februar 1991 zogen wir in unser neues Haus – mit Keller ! – und Punktum war ein Raum für meine Bahn reserviert. 1992 lernte ich auf der Intermodellbau in Köln Bernhard Stein kennen und mit ihm eine zauberhafte Bemo-Ausstellungsanlage. Die hatte es mir angetan.

Es wurde geplant und gewerkelt nach Bernhard Steins Vorlagen in Spanten-Bauweise. Kurzum: ich habe mir Zeit – sehr viel Zeit genommen, die Anlage ist immer noch im Bau. Zwischenzeitlich wurden die Anlage sowie die Fahrzeuge komplett digitalisiert – fahren- schalten-melden. Darunter hat die Fertigstellung der Landschaft ein wenig gelitten. Und gewerkelt wird ja nur in der dunklen Jahreszeit“.

Es ist also noch sehr viel zu tun – und das ist auch gut so.

Text und Fotos: Rüdiger Kappenstein