Irgendwo und nirgendwo in Graubünden

Als Junge fuhren wir jedes Jahr zum Skifahren ins Engadin. Wir hatten eine innige Beziehung zum Kanton Graubünden, da mein Vater in Arosa aufgewachsen ist.
Bei den Autofahrten ins Engadin bewunderte ich immer wieder die Streckenführung der Rhätischen Bahn. Ich besass damals eine Märklin Eisenbahn, die ich jeweils als neue Anlagen mit Folienbergen zusammenstellte. Die Anlage sollte jedoch aus Platzmangel jederzeit wieder demontiert werden können. Schon damals träumte ich von einer Anlage mit Gipsbergen, die definitiv bleiben kann. Damals gab es jedoch noch keine schönen Modelle der Rhätischen Bahn.

Die Jahre vergingen, der Traum einer Modellbahnanlage blieb. Als ich dann einmal einen BEMO Katalog mit den filigranen Modellen der Rhätischen Bahn in den Händen hielt, beschloss ich eine Anlage zu bauen. Da ich in der Nähe von Basel wohne, sind die Wege ins Bündnerland lange, und ich entschied mich, keine Kopie der Realität zu konstruieren, sondern nur das Typische und Eigene dieser Gegend mit der Rhätischen Bahn zu realisieren: „Irgendwo und nirgendwo in Graubünden“. Der Vorteil einer Schmalspurbahn (HOm) besteht in engeren Radien der Streckenführung und damit weniger benötigte Fläche einer Anlage.
Bevor ich mit dem Bau begann, las ich sehr viele Berichte und Anleitungen über den Modellbahnbau. Ein Modellbauer stach für mich durch seine feine naturgetreue Darstellung hervor – Josef Brandl. Seine Anleitungen im künstlerischen Bereich sind hervorragend.

Ich begann mit dem Bau vor rund 3 Jahren. Der Gleisplan entstand am PC mit dem WinTrack Programm und wurde in 3 Module geteilt: Das erste Modul zeigt den Bahnhof und eine Gleiswendel sowie Schattenbahnhof im Berg, das zweite Modul eine Schlucht mit einem Wildwasserfluss über den ein Landwasserviadukt führt und das dritte Modul einen Bergbahnhof mit Albulaschleifen, die wieder ins Tal führen. Der untere Teil der Anlage (Modul 1 und 2) wird im Spätherbst, der höher gelegene Anteil (Modul 3) im Winter mit Schnee dargestellt. Als Zeitepoche werden die 80- iger Jahren gewählt. Die Berghöhen wurden so bemessen, dass ein Transport durch die Türen des Hobbyraums möglich ist.

Als Unterbau besteht ein Holzrost mit Abachiholz, die Querspanten aus 10 mm Sperrholz, die Trassen aus 8 mm Sperrholz. Alle Spanten und Trassen werden mit der Stichsäge gemäss Bauplan ausgesägt. Das Gelände wird zum einen Teil mit Styrodurplatten aus dem Baumarkt, und zum anderen Teil mit Alugitter aufgebaut und mit Modellgips überzogen. Die Felsstrukturen werden mit einem Stechbeitel herausgemeisselt. Nach einem Anstrich eines Tiefgrundes werden die Felsen mit Acrylfarben in der Patinier- und Graniertechnik koloriert.
Die Grasflächen werden mit dem Elektrostaten aufgebracht, die Bäume mit den Fliesen von Mini Natur (Silhouette) kreiert.

Als Steuerung habe ich die Steuerzentrale und Lokdekoder von ESU und die Elektronik von Littfinski gewählt; die PC- Steuerung übernimmt das Programm „Train Controler“. Das gesamte Rollmaterial ist die Rhätische Bahn von BEMO.

Die Anlage macht die meisten Fortschritte in den Wintermonaten, und ich werde mich bemühen, neue Fotos in der Zukunft anzufügen.

Dr. Mark Nussberger